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Die
Dürre
Es war
einmal ein Kamel. Es war alt und hatte keine Freunde. Meist war es
einsam und sein Herr trieb es unermüdlich an. Sein Leben lang lebte es
am Rande einer Oase mitten in der Wüste. Keiner mochte es besonders.
Es kam eine
Zeit der Dürre. Fast niemand hatte mehr Wasser. Das Kamel nahm sich
vor, Wasser zu suchen. Ein Kamel aus der Herde sagte: “Das schaffst du
doch eh nicht!“ Alle anderen Tier e
der Herde lachten. Das alte Kamel dachte: “Wenn ich es jetzt nicht
schaffe, dann bekomme ich nie Ansehen.“ Es wurde Nacht und das Kamel
zog los. Tage, vielleicht sogar Wochen und Monate zog es durch die
Wüste. Es lief Tag und Nacht, bis es nach ca. drei Monaten in der
Ferne eine Oase sah. Es rannte los, doch als das Tier da war, war die
Oase weg. Traurig ging es weiter. Am Abend legte es sich zur Rast hin
und es schlief tief und fest bis zum nächsten Morgen.
Nun ging es
weiter, bis es wieder dämmerte. Eine große Oase wurde sichtbar. Im
ersten Moment dachte das Kamel, dass es sich um eine Fata Morgana
handelte. Deshalb lief es nicht hin, sondern streckte sich zum
Schlafen aus. Am nächsten Morgen war die Oase aber immer noch da. Nun
trottete das Kamel doch hin und stellte fest: „Tatsächlich, es ist
eine wundervolle und sehr, sehr große Oase.“ Es dachte: „Endlich habe
ich es geschafft!“
Um die
Wasserstelle in seiner Heimatoase zu melden, wollte es auf dem
schnellsten Weg zurü ck.
Verwirrt blickte es sich um. Kurz verlor es den Willen. Doch schnell
erinnerte es sich an die bösen Worte des anderen Kamels. In diesem
Moment rannte es los, als ob seine Beine den Weg kannten.
Es lief
und lief, bis es nach abermals vielen Wochen und Monaten zu Hause war.
Dort herrschte große Trauer, da viele schon gestorben waren. Es rief:
„Ich habe eine riesige Oase gefunden. Folgt mir, ich zeige euch den
Weg!“ Und tatsächlich, alle folgten ihm.
Bei
ihrer Ankunft rief das Kamel: „Stopp, ihr dachtet, ich würde es nicht
schaffen. Und deshalb wollte ich sie euch eigentlich gar nicht
zeigen!“ Das Kamel, das die ungerechten Worte gesprochen hatte, trat
vor und sprach: „Es tut mir so leid, eigentlich tut es und allen
leid!“ Das Kamel verzieh allen und sie lebten gemeinsam glücklich in
der neuen Oase.
Inga Wloch, 5d |